Mehr Struktur, Verbindlichkeit und Unterstützung

Erfolgreicher Übergang in den Online-Distanzunterricht an der Alexander-von-Humboldt-Schule 

LAUTERBACH (pm). Am Ende kam er zwar nicht überraschend, aber doch plötzlich, der harte Lockdown zu Weihnachten, der auch die Schulen mit der Aufhebung der Präsenzpflicht traf. Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr hat die Alexander-von-Humboldt-Schule kontinuierlich und konsequent am Ausbau der Möglichkeiten für erfolgreichen Distanzunterricht gearbeitet, nun stellte das Schulleitungsteam fest: Der Übergang von Präsenz- zu Online-Distanzunterricht in der letzten Schulwoche vor den Ferien ging reibungslos vonstatten – ein Erfolg, der viele Ursachen hat und zu weiterer Leistung anspornt, wie Schulleiterin Gitta Holloch erfreut bekanntgab.

„Die Weiterentwicklung des Distanzunterrichts nach den Erfahrungen im Frühling startete mit einer Evaluation“, berichtet Studienleiter Karsten Krämer. Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte wurden gefragt, was sie in der ersten Phase des Distanzunterrichts im Frühjahr gelungen fanden, was sie vermissten, was nicht gut lief. Auch die technischen Anforderungen kamen auf den Prüfstand, ebenso die praktischen Kompetenzen von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern. „Es wurde deutlich, dass alle Betroffenen – sowohl die Schülerinnen und Schüler, die Eltern als auch die Lehrkräfte – feste Strukturen vermisst hatten“, führt Joachim Gerking, stellvertretender Schulleiter, aus. Im ersten Lockdown wurde der Distanzunterricht sehr individuell und losgelöst vom eigentlichen Stundenplan gestaltet und hing sehr stark vom Einfallsreichtum der Lehrkräfte ab, die alle noch keine Erfahrungen mit einem Online-Distanzunterricht besaßen, heißt es in dem Rückblick. Oft wurden Aufgaben gestellt, die die Schülerinnen und Schüler in einer bestimmten Zeit bearbeiten sollten, ohne dass für alle Beteiligten klar war, wie und in welchem Umfang Rückmeldung dazu gegeben würde. Die Lehrkräfte sahen sich dabei häufig mit der nicht einlösbaren Erwartung von Schülerinnen und Schülern und deren Eltern konfrontiert, allen Lernenden ein individuelles Feedback zu geben. „Alle Beteiligten waren damit immer irgendwie am Arbeiten, nie ganz zufrieden und nie wirklich mit einer Aufgabe fertig“, fasst Ganztagskoordinatorin Kirsten Muche ihre Eindrücke zusammen – die sie übrigens auch aus ihrer eigenen Sicht als Mutter bestätigen konnte.

Die beiden IT-Beauftragten der AvH, Maximilian Sauer und Florian Jost, nahmen die einzelnen Herausforderungen in den Blick, suchten und fanden Lösungen und boten Weiterbildungen für Lehrkräfte bezüglich der Online-Plattformen und interaktiven Tools an. Koordiniert und verwaltet von Florian Jost wurde ein Pool an Ausleihnotebooks aufgebaut, der von 29 iPads, die der Vogelsbergkreis beisteuerte, und einer Spende von 15 Notebooks durch den Rotary Club profitierte. So konnte jetzt vor Weihnachten Florian Jost alle Schülerinnen und Schüler, die sich bei ihm meldeten, mit einem Leihgerät ausstatten. Die Zeit seit dem Frühjahr ist von der Schule auch genutzt worden, um Pflichtkommunikationswege festzulegen und damit transparent zu machen, welche Angebote über welche Kanäle – in erster Linie Microsoft Teams und IServ – erfolgen. Ein Ziel, das jetzt auch umgesetzt wurde, war dabei, den Unterricht nach Stundenplan jederzeit auch online fortführen zu können. „Dass das gelungen ist, zeigen die Aktivitätenberichte der drei Distanzunterrichtstage“, führt Maximilian Sauer aus: „Schon am Mittwoch ging die Kurve rapide nach oben: Fast 1.100 Nutzer hatten sich eingeloggt, der Online-Unterricht startete pünktlich um 7:55 Uhr und wurde in vollem Umfang abgehalten – einschließlich des Vertretungsunterrichts und der Nachmittagsangebote. Bis zum Freitag, als dann die Ferien starteten, ließ diese Beteiligung nicht nach, wie aus den Protokollen deutlich zu sehen war.“

Das Festhalten am regulären Stundenplan stellt für die Schülerinnen und Schüler wie für die Lehrkräfte im Online-Distanzunterricht eine Riesenentlastung dar, ist man sich im Schulleitungsteam sicher: „Alle wissen, wann sie online präsent sein müssen. Die Nutzung von Breakout-Rooms ermöglicht es, die für einen lernwirksamen Unterricht wichtigen Partner- und Gruppenarbeitsphasen einzurichten. Durch die anschließende Auswertung der Ergebnisse im Plenum ist auch das Problem des Feedbacks gelöst“, so Joachim Gerking, der an der AvH auch für die Unterrichtsentwicklung verantwortlich ist und sich freut, dass so viele der empirisch lernwirksamen Unterrichtsstrategien jetzt auch online Anwendung finden und funktionieren. „Schülerinnen und Schüler teilen ihre Bildschirme, arbeiten in virtuellen Gruppenräumen, präsentieren online, können gemeinsam Dokumente bearbeiten – die Lernenden sind jetzt deutlich stärker aktiviert, interagieren untereinander und die Lehrer sind nicht mehr so dominant. Wir nehmen damit die Wünsche und Forderungen unserer Schülerinnen und Schüler auf, die im Frühjahr noch moniert hatten, dass zu wenig „Tafelanschriebe“ erstellt wurden“, berichtet Karsten Krämer. Dass das gut funktioniert, sei auch der Bereitschaft von Schülerinnen und Schülern sowie der Lehrkräfte geschuldet, zum einen offen zu sein für neue Lernformate, zum anderen aber auch, ihr Wissen um neue digitale Möglichkeiten mit den anderen zu teilen: Die Schüler Marvin Becht und Marcel Otto hatten für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler Erklärvideos zum Online-Unterricht erstellt, von den Lehrkräften hatte beispielsweise Dennis Merle mit verschiedenen Tutorials das Kollegium unterstützt. „Und das sind nur zwei Beispiele eines zielgerichteten Miteinanders“, freut sich Sauer über das digitale Engagement an der Schule.

Was für ältere Schülerinnen und Schüler inzwischen selbstverständlich klappt und fast alltäglich geworden ist, stellte die jüngeren oftmals noch vor größere Herausforderungen, stellte Kirsten  Muche fest: Für viele von ihnen sei der zielgerichtete Umgang mit den Online-Plattformen und den Tools noch schwierig. „Der Computer ist ein Medium, das natürlich zwischen dem persönlichen Austausch steht – daran muss man sich gewöhnen.“ Und auch der Umgang mit technischen Herausforderungen sei für jüngere Schülerinnen und Schüler problematischer als für ältere. Deshalb brauche man gerade bei den jüngeren Geduld und auch hier habe sich in den letzten Wochen und Monaten viel getan. Etwa, indem es eine Hausaufgabe war, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt gemeinsam einzuloggen, oder indem präzise Anweisungen geliefert und klare Strukturen geschaffen wurden. „Gerade die jetzt transparente zeitliche Struktur schafft in den Familien große Entlastung“, erläutert Kirsten Muche, „da man nun auch dort weiß, wann verbindlicher Unterricht ist, wann die Rechner auch wieder frei sind und man davon ausgehen kann, dass das Tagespensum erledigt ist.“ Gleichwohl drückt Karsten Krämer deutlich aus, dass man unbedingt dranbleiben werde, was die Begleitung von Schülerinnen und Schülern, denen keine Unterstützung zuhause zur Verfügung steht, die keine adäquate Ausstattung oder andere Schwierigkeiten mit dem Online-Unterricht haben, angeht. „Es kann auch nicht immer alles perfekt laufen und es ist ganz normal, wenn einmal jemand sein Passwort vergessen hat. Für die Lehrkräfte bedeutet das, weiter mit den jüngeren Lernenden den Umgang mit der Technik einzuüben.“

Grundsätzlich habe man jetzt gemerkt, dass in der Zeit vom Frühjahr bis zum Winter viel passiert sei, fasst Maximilian Sauer eine Erfahrung zusammen: „Es gab wesentlich weniger technische und praktische Nachfragen von allen Seiten: Unsere Lehrpersonen haben sich erfolgreich auf den Distanzunterricht vorbereitet und diesen mit den Lernenden trainiert.“ Wie seine Kolleginnen und Kollegen aus dem Schulleitungsteam blickt Karsten Krämer zufrieden und mit ein wenig Stolz auf die Umsetzung des Online-Distanzunterrichtskonzepts in den Tagen vor den Weihnachtsferien. Gleichwohl sind sich alle Beteiligten bewusst: Die auf den Weg gebrachte Entwicklung muss weiter fortgeführt und die Arbeit von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern in diesem Bereich weiter professionalisiert werden. Dies betrifft sowohl den kompetenten Umgang mit der digitalen Technik als auch die Entwicklung geeigneter digitaler Unterrichtsformate. Das Lauterbacher Gymnasium sieht sich hier aber auf einem guten Weg.

Text: Traudi Schlitt; Foto und Grafik: Schule

Kurz vor Weihnachten ist der Unterricht wieder auf Microsoft Teams umgestellt worden.

Am Lauterbacher Gymnasium wird genau nachgehalten, in welchem Maße Schüler und Lehrer digitale Tools für den Unterricht nutzen.

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