Von Traumwesen und Traumwelten zu Assoziation und Selbstreflexion

Wir träumen – Die Kunstausstellung an der Alexander-von-Humboldt-Schule

LAUTERBACH (pm). In der Regel ist die Schule kein Ort zum Träumen, sondern zum Lernen und Arbeiten, ein Ort für Konzentration und helle Wachsamkeit. Am letzten Freitagabend war dies anders: Fast das ganze Gebäude der Alexander-von-Humboldt-Schule stand unter dem Motto „Wir träumen“ – und fast die ganze Schulgemeinde hatte unter Federführung von Stefanie Michel, der Fachsprecherin Kunst, daran mitgewirkt, die große Kunstausstellung der Schule, die inzwischen eine Tradition geworden ist, wahrwerden zu lassen. Ihnen dankte es ein großes Publikum: Übervoll war die Aula der Schule, als am Freitagabend das Schulorchester unter der Leitung von Markus Euler die Ausstellung musikalisch und traumhaft schön eröffnete.

Von Träumen und vom Träumen handelten die einführenden Reden. Zunächst sprach Stefanie Michel von ihrem Traum einer großen Kunstausstellung, den sie vor neun Jahren träumte, als sie an das Lauterbacher Gymnasium kam. „Alle musischen Fächer sollten daran beteiligt sein“, führte sie aus, „darstellendes Spiel, Kunst, Musik und Tanz sollte die Schule in einem anderen Licht erscheinen lassen.“ Zum wiederholten Mal ist Stefanie Michels Traum nun bereits wahr geworden – mit großer Unterstützung der Schulleitung und der Schulgemeinde, wie sie voller Freude und Dankbarkeit zum Ausdruck brachte. Ziel der Ausstellung sei es stets, Gäste zum Nachdenken sowie zum Lachen zu bewegen, die Schülerschaft in ihrer kreativen Arbeit zu stärken und gemeinschaftlich Kreativität erleben zu können. Darüber hinaus sei es auch immer wieder schön, zu sehen, wie ein solches Projekt Menschen miteinander verbinden und die Schulordnung erlebbar machen könne.

Schulleiterin Gitta Holloch widmete ihre sehr erwartungsfreudige und wertschätzende Ansprache zunächst dem Thema Schlaf und Träumen selbst. Durchschnittlich 1,5 Stunden träumt ein Mensch pro Nacht. In vier bis sechs Traumphasen verarbeitet ein Träumer Durchlebtes, auch wenn viele Menschen sich am Morgen nicht erinnern, wie Holloch ausführte. Nachts, so die Schulleiterin, führten die Emotionen Regie, das rationale Element sei abgeschaltet – umso interessanter wurde die Traumdeutung auch in der Psychoanalyse, wie die Arbeiten beispielsweise von Siegmund Freud und C.G. Jung zeigten. Tagträumen in der Schule sei nicht immer hilfreich, wie Holloch schmunzelnd darlegte, allerdings fördere „aufgabenunabhängiges Denken in einem Zustand der Ruhe“ Kreativität und Fantasie. Viele berühmte Träume wirkten bis in die Gegenwart. Martin Luther Kings „I have a dream“ oder der Lennon-Song „Imagine“, nannte die Schulleiterin als Beispiele dafür.

Um Träume wahrwerden zu lassen, brauche es Engagement und Enthusiasmus, leitete Holloch zur Ausstellung über. Davon fände man ganz viel in der Fachschaft Kunst und den anderen musischen Fächern, aber auch in den anderen schulischen Disziplinen und natürlich auch in der Schülerschaft. Deren Werke begeisterten sie jedes Jahr aufs Neue, so Holloch, die in ihrer Rede schon einen kleinen Vorgeschmack auf das gab, was die Gäste der Ausstellung in den nächsten zwei Stunden erwarten würde:

Politisches Theater und alptraumhafte Welten, präsentiert von Schülerinnen und Schülern der Oberstufe, Modern Jazz Dance und andere Styles, dargeboten von den Tanz-AGs, Installationen, Bilder, Collagen, Filme, Schwarzlichttheaters, Soundscapes, Fotografien – ein ganzer Kosmos an Kunst wartete auf die Besucherinnen und Besucher, jedoch nicht bevor Holloch sich ausdrücklich bei Stefanie Michel bedankt hatte: „Sie bereichern das Schulleben immer wieder“, wandte sie sich an die Organisatorin der Ausstellung, „ganz besonders auch durch die Kooperation aller Fachschaften.“

Auch Schulsprecherin Fine Glitsch warb für einen interessierten Besuch der Ausstellung. Mit kleinen Hinweisen auf Monster, Tanz und der Suche nach einem kleinen Erinnerungsfoto machte sie neugierig auf traumhafte Bilder und Erlebnisse in der Schule.

Genau dazu verhalfen als erstes die Tanz-AGs unter der Leitung von Ina Sieling. Die Jungs und Mädchen tanzten beeindruckende Traumsequenzen, Bilder in Rot und Schwarz dominierten die Szene, die sie mit ihren abwechslungsreichen Darbietungen gestalteten. Nach ihnen erschien – zumindest akustisch – das altbekannte Sandmännchen auf der Bühne. Mitgebracht hatte es nicht nur gute Träume: Die jungen Darsteller der Oberstufe interpretierten Alptraumszenen: Ausgeliefertsein, am Abgrund stehen, wie gelähmt einer Gefahr gegenüberstehen. Die Schülerinnen und Schüler forderten die Gäste auf, sie während des Abends mit Konfetti – dem hauseigenen Schlafsand – zum Spielen kleiner Szenen zu bewegen. Und so kam es dazu, dass auf den Gängen des Schulgebäudes im Lauf des Abends viele kleine spontane Bühnen entstanden, auf denen die Schauspieler, umrundet von ihrem Publikum, von verschiedenen Träumen erzählten, beispielsweise dem nach den meisten Likes.

Auf zwei Etagen zeigten die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeiten und offenbarten die unendliche Vielfalt, die das Thema „Wir träumen“ ihnen bot: Traumwelten, die sich in realen und surrealen Landschaften finden, Traumsequenzen in kleinen Kisten, (Alp-)traumwesen aus Pappmaché. Den Traum von Schönheit und Ruhm konnte man in verschiedenen Arbeiten entdecken, etwa im Umfeld einer offenbar erfolgsverwöhnten Barbie. Wie sieht man sich selbst – nicht nur an einem Bad-Hair-Day, sondern als Comic-Held? Was offenbart der Blick durch ein Schlüsselloch? Wie sieht ein Traum-Date aus? Wie funktioniert die Traummaschine? Und welche Wesen können einer überbordenden Fantasie auch ohne Traum entspringen?

Es waren hochinspirierte und hochinspirierende Werke, die die Kunsterzieher der AvH gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern erarbeitet hatten. Werke die zum Träumen und Nachdenken anregten, die Spaß machten, die einluden, sich selbst und seine Träume darin zu finden, die dazu angetan waren, einen vielleicht auch im Traum zu verfolgen – ähnlich wie die Traumwesen, die in den verschiedenen Theateraufführungen, im Spiel mit Licht und Schatten, vor ihr Publikum traten. Es waren aber auch Werke, die die gestalterische, handwerkliche Vielfalt der Schule präsentierten: Collagen, Linolschnitte, Bildmanipulationen, Malerei und Zeichnungen, perspektivisches Arbeiten, Umsetzung von Literatur – den Möglichkeiten waren kaum Grenzen gesetzt – einzig die Zeit tat dies: Nach nur zwei Stunden war diese traumhafte Schau vorbei. Für einen Alptraum eine lange Zeit, für die unglaubliche Vielfalt und ausdauernde Arbeit hinter der Ausstellung viel zu kurz.

Text und Fotos: Traudi Schlitt

Stefanie Michel – Organisatorin und Fachsprecherin Kunst – sprach über ihren wahrgewordenen Traum von der Ausstellung.

Traumhafte Musik steuerte das Orchester unter der Leitung von Markus Euler zur Ausstellungseröffnung bei.

Traumbilder in Rot und Schwarz inszenierten die Tanz-AGs.

Alles schön? Eine Traumwelt ganz in Weiß.

Wie nah Traum und Alptraum beieinander liegen, zeigt dieses Bild.

Viel Kreativität in allen Altersstufen förderte die Ausstellung zu Tage.

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: Das Theater als Spiel mit dem Licht und den Urängsten.

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