Facetten der Rück-Sicht künstlerisch dargestellt

Kunstausstellung der Alexander-von-Humboldt-Schule sorgte für ein volles Haus am Freitagabend

LAUTERBACH (pm). Kunst in ihren ganzen Facetten bestimmte einen ganzen Abend lang das ungewöhnliche Treiben an der Alexander-von-Humboldt-Schule – und das vom ersten Moment an: Teilnehmende an den Kursen Darstellendes Spiel des Gymnasiums begrüßten die Gäste als anonyme Gestalten mit den immer gleichen Masken und führten hin auf einen Abend voller Bilder, Tanz, Theater, Skulpturen, Fotografien und natürlich ganz viel Musik, wie das Auswahlorchester unter der Leitung von Wolfgang Scharrer sie zur Eröffnung der Ausstellung furios und mitreißend darbot.

Stefanie Liesk, Fachsprecherin des Bereichs Kunst, hatte das erste Wort anlässlich der Vernissage der Kunstausstellung mit dem Titel „Wir nehmen Rück-Sicht“. Rücksicht, so Liesk, lernten wir von Kindesbeinen an. Doch Rücksicht sei mehr als ein Verhalten, das sich im alltäglichen Umgang miteinander widerspiegele, Rücksicht sei auch Selbstbetrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln, Rücksicht sei auch der Blick zurück. Lies dankte den Kindern für ihre Begeisterung und die Freude, die sie an der künstlerischen Arbeit gefunden haben, sie lobte den Ideenreichtum der Schülerinnen und Schüler, mit dem es gelungen sei, eine Großzahl an Klassenräumen ganz besonders zu gestalten. Ausdrücklich dankte die Fachsprecherin der Schulleitung für die unermüdliche Unterstützung aller Kurse und aller Arbeiten, die zur Organisation dieses einzigartigen Abends der Kunst nötig war.

Wie sehr sich die Schulleitung – mit Blick in die übervolle Aula des Gymnasiums – selbst über den außergewöhnlichen Zuspruch zu dieser Ausstellung freute, machte Schulleiterin Gitta Holloch nach einem weiteren Musikstück deutlich. Sie thematisierte den Begriff der Rücksicht in seiner eigentlichen Bedeutung und im Zusammenhang mit den anderen Werten der Schule – Verantwortung, Wertschätzung, Zusammengehörigkeit – und unterstrich, dass rücksichtsvolles Verhalten immer noch zeitgemäß sei: „Niemand wäre gerne an einem Ort, an dem keine Rücksicht herrscht.“ Holloch ging auch auf die künstlerische Umsetzung des Mottos ein, der sich alle künstlerischen Bereiche angenommen hatten und die ihr vielfältiges Erscheinungsbild an diesem Abend im ganzen Schulgebäude präsentierte. Die Schulleiterin dankte ausdrücklich und persönlich allen beteiligten Lehrkräften und Unterstützern: „Sie zeigen, dass Bildung nicht nur in den klassischen Fächern, sondern auch in anderen Ebenen des Unterrichts erlernbar ist.“

Diese Aussage unterstrich sogleich die Tanz-AG unter der Leitung von Jana Habrychova, die das erwartungsvolle Publikum mitnahm in die Welt der Maler- und Bohemiens der 20er-Jahre.

Zum Abschluss der Vernissage lud Schulsprecher Johannes Klein alle Anwesenden ein, nun die Ausstellung zu entdecken. Er verwies auf die verschiedenen Angebote in den Klassenräumen, der Cafeteria, im Foyer und sogar den Treppenhäusern. Kunst in jeder Nische sozusagen, Kunst, die sich direkt mit einem Flashmob Bahn brach, den eine Schülergruppe gemeinsam mit dem Publikum noch auf der Bühne in der Aula inszenierte und der die Gäste mitriss in die vielen anderen Räume, die an diesem Abend allein der Kunst gewidmet waren.

Graffitis, Portraits, fantastische Tierwesen, Collagen sowie Farb- und Materialexperimente waren zu sehen, darüber hinaus galaktische Selbstbildnisse, Spiegelbilder, Monster, Variationen von Da Vincis Abendmahl – auch als filmische Installation-, Rauminstallationen und außergewöhnliche Objekte. Eindrucksvolle Annährungen an den Menschen im Allgemeinen mit ganz ungewöhnlichen, nachdenklichen Blicken darauf sowie die Beschäftigung mit der eigenen Person wurden thematisiert: „Ich im Kasten“ hieß es in den 5. Klassen oder „Mein Universum“. Wer wollte, konnte den Grund für das Kippen des Schiefen Turms von Pisa entdecken oder sehen, wie Kunststoff tatsächlich zum Kunst-Stoff wird: Ein Up-Cycling-Projekt ließ eine bunten, fantasievollen Zoo entstehen. Frühstück als abstrakte Plastik, Drahttiere nach Picasso, eine Pinguin-Population im Klassenraum, ein Feuer mit blauen Flammen – eine unglaubliche, fantastische Welt erstand einen Abend lang in der Alexander-von-Humboldt-Schule, selbst der Lauterbracher Strolch wurde gesichtet!

Weitere Tänze, Schauspiel, Schattenspiel, Zauberspiel und politisches Kabarett bereicherten das Programm und brachten jede Menge Leben herein. Vielfach variierten sie das Thema Rück-Sicht und zogen überall im Haus die Besucher an. Ein Poetry Slam weckte großes Interesse, und auch die Möglichkeit zum gutgelaunten Fotoshooting wurde gerne genutzt. Da war es nicht verwunderlich, dass sich die Eltern von der Begeisterung über die Vielfalt und die Kreativität dieser Ausstellung anstecken ließen und nicht zuletzt auch dem kulinarischen Angebot des Abiturjahrgangs frönten, sich austauschten und diesen kunstreichen Abend als inspirierenden Start in das Wochenende genossen.

Stefanie Liesk, Fachsprecherin Kunst, zeichnet verantwortlich für den Abend der Kunst an der AvH.

Wie immer ein Highlight in jedem Programm der Alexander-von-Humboldt-Schule: das Auswahlorchester unter der Leitung von Wolfgang Scharrer

Gefüllt bis in die Ecken war die Aula der AvH am Freitagabend.

Einen Ausflug in die 20er-Jahre bescherte die Tanz-AG den Gästen der Vernissage.

Mit einem Flashmob eroberten Schüler und Publikum gemeinsam die Ausstellungsräume.

Das Publikum zeigte sich begeistert.

Auf viel Interesse stießen die verschiedenen Kunstwerke der einzelnen Klassen.

Eine gute Idee für den Lauterbacher Strolch: die Sockenfundstelle

Sehr beliebt war das politische Kabarett, der „Tagesklamauk“.

Immer unterwegs: Die Schülerinnen und Schüler inszenierten ihre Flashmobs in der ganzen Schule.

Wie man aus irgendwas eine beeindruckende Schattenwelt schafft, zeigten diese Werke.

„Rücksicht“ war auch das Thema dieses Theaterstücks.

Aus Waschmittelflaschen, Plastikbechern und anderem Müll entstand dieser Zoo.

Smile! Die Erinnerungsfotos kamen bei allen Gästen gut an.

Eine von vielen Betrachtungen und Sichtweisen des Menschen zeigte diese Gemeinschaftsarbeit.

Text und Fotos: Traudi Schlitt

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