Mit Freude kochen und essen

Koch-AG der AvH trifft Stefan Schubert in der Lehrküche

LAUTERBACH (pm). Sie sind gehypt und berühmt, sie sorgen für viel Gesprächsstoff und sie regen in der Tat zur Nachahmung an: Kochshows sind die neuen Unterhaltungsformate, doch lange, bevor sie sich zu medialen Höhen aufschwangen, gab es schon eine Koch-AG an der Alexander-von-Humboldt-Schule. Ganze Jahrgänge haben von der Mittelstufe bis zum Abitur hier das Kochen gelernt, und sicher profitieren heute nicht wenige Familien von dem, was die Schülerinnen und Schüler des Lauterbacher Gymnasiums hier gelernt haben. Vor wenigen Monaten hat hier Philipp Grundmann die Koch-AG übernommen, um gemeinsam mit seinen derzeit 12 Schülerinnen und Schülern Woche für Woche gemeinsam zu kochen und – was genauso wichtig ist – gemeinsam zu essen.

„Dazu gehört als Erstes eine gute Planung“, weiß Grundmann, der eigentlich Mathematik- und Erdkundelehrer ist, für den Privatgebrauch aber auch ein sehr passabler Koch. In den drei Stunden, die der Gruppe jeden zweiten Mittwoch in der Lehrküche der Vogelsbergschule zur Verfügung stehen, kochen sie, essen sie, spülen ab und räumen wieder auf. Im Mittelpunkt steht natürlich das Zubereiten der Mahlzeiten. In kleinen Gruppen probieren sie verschiedene Dinge aus, so gab es letzten zu den allseits beliebten Nudeln drei verschiedene Soßen, die alle probiert wurden und gerne auch schon mal zuhause nachgekocht werden. „Und genau darum geht es“, so Grundmann: „Wir versuchen mit möglichst regionalen und saisonalen Lebensmitteln frisch zu kochen und bei den Kindern das Interesse an Lebensmitteln und einem verantwortungsbewussten Umgang damit zu wecken.“

Wie wichtig genau das ist, um eine wertschätzende Haltung zum Essen zu entwickeln, das unterstreicht auch Stefan Schubert. Er ist Küchenchef im renommierten Lauterbacher Hotel Schubert und bot von sich aus an, doch einmal eine Kocheinheit mit den AG-Kindern zu gestalten. „Ich finde das AG-Angebot an der AvH einfach super“, so der Koch, der seinerzeit selbst dort Abitur gemacht hat. „Leider gab es damals noch nicht die Möglichkeit, neben dem Unterricht in so verschiedene Angebote aus den unterschiedlichsten Bereichen zu schnuppern, umso mehr freue ich mich, das Kochangebot zu unterstützen.“

Passend zur Jahreszeit hatte Stefan Schubert vor zwei Wochen dann einen schönen Hokkaidokürbis eingekauft, um mit den Kindern eine köstliche Suppe zuzubereiten – mit Äpfeln drin, was die Schülerinnen und Schüler doch einigermaßen verwunderte. Als Hauptgang hatte der Küchenchef selbstgemachte Gnocchi mit Tomatenbutter vorgesehen. Mit großer Begeisterung waren die Kinder auch hier bei der Sache, nicht wenige von ihnen lernten die kleinen Kartoffelklößchen an diesem Tag erst kennen. Den Nachtisch zu diesem feinen Menü steuerte Leni Schubert bei. Die Tochter des Hauses ist – fast würde man meinen selbstverständlich – Mitglied in der Koch-AG und stellte nach dem Hauptgang selbstgemachte Muffins auf den Tisch. Diese ganz besonderen Unterrichtsstunden waren nicht nur für die Schülerinnen und Schüler eine tolle Sache, sondern auch für ihren Lehrer: „Zum einen konnte ich auch noch so allerhand lernen und mir ein paar Tipps vom Profi geben lassen“; freut sich Philipp Grundmann, „zum anderen war es auch schön, nicht selbst für alles verantwortlich zu sein und sich auch mal längere Zeit einzelnen Schülerinnen und Schülern widmen zu können.“

Stefan Schubert gibt öfter kleinere oder größere Kochstunden. „Beim Kochen mit Kindern sieht man ganz genau, wer zuhause schon immer mal helfen musste“, lacht er, „und es ist schön zu sehen, dass die Kinder ganz oft staunen über die Art der Zubereitung und über die Arbeit, die hinter dem Kochen steckt. Sie sehen, auf was man in der Küche alles achten muss, welche Gefahrenquellen hier auch lauern können. All das weckt Wertschätzung für Lebensmittel, seien es pflanzliche oder Fleisch. Und diese Wertschätzung trägt dann hoffentlich zu einem bewussteren Umgang damit bei“, so ein Resümee des Kochs, der im Übrigen der Meinung ist, dass man nicht nur mit Freude kochen sollte, sondern auch mit Freude essen: „Zu sehen, wie jemand das mag, was auf den Tisch kommt, wie er mit Appetit isst und vielleicht noch Nachschlag haben möchte, das ist einfach richtig schön.“ Wenn er Kurse leitet, gerade für Kinder, achtet Schubert aber auch darauf, dass es nicht zu theoretisch wird, sondern in erster Linie Spaß macht. „Denn nur mit Freude am Tun kommt man weiter“, weiß er aus eigener Erfahrung, „damit hat es bei mir auch angefangen.“ Und man darf sich nicht von Misserfolgen entmutigen lassen, lautet ein anderer Tipp: „Wenn man einmal eine Suppe versalzen hat, kann man wenig dagegen tun, aber sicherlich führt es dazu, dass man beim nächsten Mal besser aufpasst.“

Er könnte sich gut vorstellen, immer mal wieder in und mit der AG zu kochen, beispielsweise Fisch, den er selbst sehr gerne mag. Neben Seezunge schmeckt ihm Rinderroulade am besten, genauso wie Philipp Grundmann. Bei den Schülerinnen und Schülern machen Nudeln in allen Variationen das Rennen, doch sicher lernen sie im Lauf der AG noch viele andere leckere Sachen kennen, denn auch ihr Lehrer hat viele gute Ideen: „Wir wollen demnächst auch mal eine Pizza selbstmachen mit richtigem Hefeteig und natürlich wollen wir auch noch Plätzchen backen.“ Das alles hört sich nach einem ziemlich guten Plan an, dem nichts hinzuzufügen ist, außer vielleicht: „Guten Appetit!“

Text: Traudi Schlitt; Fotos:  Traudi Schlitt und Philipp Grundmann

Viel Spaß hatten die Koch-AG-Kinder in der Lehrküche mit dem Spitzenkoch Stefan Schubert.

Eine kleine Abordnung der Koch-AG direkt im Hotel bei Stefan Schubert – sie denken offenbar gerne an die exklusive Kochstunde

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