Wie man gut, engagiert und fair diskutiert – all das kann man häufig nicht erleben, wenn man öffentliche Debatten verfolgt. Denn dazu gehören Kompetenzen wie aufmerksames Zuhören, ausreden lassen, genaue Bezugnahme oder Einwände des Gegenübers aufgreifen. Was Politiker und andere Teilnehmer in Diskussionsrunden oft vermissen lassen, das kennen die Schülerinnen und Schüler der Alexander-von-Humboldt-Schule. Sie nehmen regelmäßig an dem Bundeswettbewerb „Jugend debattiert“ teil, der u.a. vom Bundespräsidenten und den Kultusministerien der Länder gefördert wird.

„Es geht ganz klar darum, sich in ein Thema einzuarbeiten. Argumente pro oder contra zu sammeln und diese in einer fairen Form darzubringen“, erläutert Christa Lange. Die Deutschlehrerin moderierte den Wettbewerb und zeigte sich beeindruckt von der Fähigkeit der Debattanten, sich zum einen in neue Themen einzuarbeiten und zum anderen auch Meinungen zu vertreten, die nicht unbedingt der eigene Standpunkt waren. Denn auch das gehört zum Wettbewerb: Die Mitwirkenden am Schulwettbewerb sind die jeweiligen Klassensieger einer Jahrgangsstufe, unter denen die Pro- und Contra-Vertreter ausgelost werden. Eine Jury, besetzt aus Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern des Lauterbacher Gymnasiums, hat dann die Aufgabe, die Diskutierenden zu bewerten – schließlich geht es auch darum, einen Schulsieger oder eine Schulsiegerin zu ermitteln, die die Schule auf dem Regionalentscheid vertritt.

Drei interessante Themen hatten die Mitwirkenden der verschiedenen Altersklassen zu besprechen: Die Jahrgangsstufe 8 beschäftigte sich mit dem Thema „Soll Mobbing an Schulen härter bestraft werden?“ Die Jahrgangsstufe 9 diskutierte über die Frage „Sollen Schönheitswettbewerbe und Modelcastingshows in Deutschland verboten werden?“ Die Schülerinnen und Schüler der E-Phase schließlich stellten sich der Problematik um die Wehrhaftigkeit des Landes: „Sollen in der Schule Fertigkeiten vermittelt werden, die für den militärischen Verteidigungsfall relevant sind?“

Eine große Bandbreite an Themen war es demnach, in die sich die Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Jahrgangsstufen einarbeiten mussten. Dafür hatten sie eine Woche Vorbereitungszeit. Allerdings gehörte dazu auch, sich so gut vorzubereiten, dass sie auf Aufzeichnungen aller Art verzichten konnten: Daten, Fakten und ihre Reihenfolge mussten sie im Kopf haben. Lediglich die Argumente ihrer Mitdiskutanten durften sie notieren, damit sie im Verlauf der Debatte darauf eingehen konnten. Damit zeigte sich auch schon eine Kernkompetenz: Es ging nicht nur darum, seine eigenen Argumente ständig zu wiederholen, sondern auch das Gegenüber zu sehen, dessen Beiträge aufzugreifen und in den eigenen Argumentationsfluss einzuarbeiten. Jede Gruppe bestand aus vier Schülerinnen und Schülern, von denen jeweils zwei den Pro- und Contra-Standpunkt vertraten. Sie zeigten dem Publikum und der Jury in der Aula der AvH, wie es gehen kann, wenn Rednerinnen und Redner sich ausreden lassen, sich gegenseitig ernstnehmen und sich trotz Differenzen fair und respektvoll behandeln – zumal die Diskussionsrunden selbst nicht moderiert wurden, sondern sich die Gruppe allein an ihre Regeln halten musste und u.a. dafür Sorge zu tragen hatte, dass möglichst alle Mitwirkenden gleichberechtigt zu Wort kamen. Nicht immer wird dies in der Realität so möglich sein, doch die Übung dessen, wie es optimal laufen sollte, kann sich auch im Alltag bei Diskussionen auswirken.

„Mit der Vorbereitung und der Teilnahme an dem Debattierwettbewerb tragen wir dazu bei, die Mündigkeit unserer Schülerinnen und Schüler zu verbessern“, sagt Christina Lange. Recherche, Begründung und Gewichtung der Gründe sind Kriterien in dem Wettbewerb. „Dies ist von großer Bedeutung für politische Teilhabe“; ist sich die Pädagogin sicher und betont: „Hier werden Grundfertigkeiten für viele Lebensbereiche erlernt.

Und nicht nur die Debattanten, sondern auch die Jurymitglieder sind angehalten, sich an eine besondere Form zu halten, um ihr Feedback an die Mitwirkenden so genau und nachvollziehbar wie möglich zu gestalten: Sie sollen wie die Schülerinnen und Schüler zuvor das Gesagte noch einmal aufgreifen, sagen, was ihnen gefallen hat, und auch Verbesserungsvorschläge machen. So zieht sich der Grundgedanke von Fairness, Respekt und Augenhöhe durch den ganzen Wettbewerb.

Am Ende des Debattiervormittages an der AvH standen mit Lukas Grahm und Mathilda Greb aus der E-Phase und mit Sophie Armstroff und Emma Albach aus der Mittelstufe die Siegerinnen und Sieger fest, die das Gymnasium im Frühling im ersten Regionalentscheid von „Jugend debattiert“ vertreten werden. Organisator und Jurymitglied Matthias Berg dankte allen Mitwirkenden für ihr Engagement und ihren Mut, vor einem so großen Publikum aufzutreten. Gemeinsam mit der ganzen Schulgemeinde sieht er nun dem weiteren Verlauf des Wettbewerbs entgegen. Doch ganz gleich, wie die Schülerinnen und Schüler dort abschneiden: Fürs Leben gelernt haben sie auch jetzt schon.

Text: Traudi Schlitt