Leben und Lernen in der Internatsschule Schloss Hansenberg – ein Interview mit Tom Fischer

Der 15-jährige ehemalige Schüler der Alexander-von-Humboldt-Schule Lauterbach, Tom Fischer, besucht seit Beginn dieses Schuljahres die Internatsschule Schloss Hansenberg bei Rüdesheim am Rhein. Diese finanziert sich über ein Public-Private-Partnership System und feiert dieses Jahr ihr 10-jähriges Bestehen. Joachim Gerking, Fachbereichsleiter der AvH Lauterbach, hat sich kürzlich mit ihm unterhalten.

Frage: Du bist jetzt seit ungefähr vier Monaten auf Schloss Hansenberg. Wie fällt deine erste Bilanz aus?

Es war der richtige Schritt hierher zu wechseln. Die Möglichkeiten, die man an Schulischem und Außerschulischem in Form von AGs geboten bekommt, sind riesig. Das Kontakthalten zur Familie und zu den Freunden aus Lauterbach klappt gut.

Frage: Wie oft kommst du als Internatsschüler nach Hause, um deine Familie zu sehen?

Jedes dritte Wochenende und in den Ferien komme ich nach Hause. Meist pendle ich per Bus und Bahn zwischen Internat und Lauterbach.

Frage: Ist dir die Trennung von deiner Familie schwer gefallen? Und würdest du diesen Punkt als Hindernis für eine gute Zeit an der ISH sehen?

Zu Anfang war das sehr wohl eine Herausforderung. Mittlerweile hat man sich daran gewöhnt und freut sich auf die Heimfahrtwochenenden. Hätte ich mich nicht an die Trennung von meiner Familie gewöhnen können, dann hätte dies ein Problem dargestellt. Nun ist es aber so, dass man dort schnell integriert wird und jeder für einen ein offenes Ohr hat und man sich nie alleine fühlt.

Frage: Schloss Hansenberg ist eine Eliteschule. Wie muss man sich das vorstellen, wenn nur die allerbesten Schüler zusammen sind? Gibt es sehr viel Konkurrenzdenken? Ist das Verhältnis zwischen den Schülern ein anderes als an einer „normalen“ Schule?

In 90% aller Fälle unterscheidet es sich nicht von „normalen“ Schulen. Ja, es wird eventuell ein bisschen mehr über Schule geredet, da man ja immer viele Projekte und Hausaufgaben zu bearbeiten hat. Das Konkurrenzdenken ist – wohl zum Glück – nicht sonderlich ausgeprägt, sondern alle gehen, wie eben schon beschrieben, immer freundlich und fürsorglich miteinander um.

Frage: Was unterscheidet das Eliteinternat Schloss Hansenberg im Hinblick auf den Unterricht von einem „normalen“ Gymnasium wie der AvH?

Das kommt ganz auf Lehrer und Unterrichtsfach an, aber im Groben und Ganzen wird inhaltlich einfach schneller durch den Stoff gegangen. Dies ist auch möglich, weil die Klassenstärke zwischen 16 und 18 Schülern beträgt.

Frage: Ist ein Internat wie Schloss Hansenberg – mit lauter hochmotivierten, immer aufmerksamen und fleißigen Schülern – ein Paradies für Lehrer?

Die Frage kann ich nicht sicher beantworten, da ich ja die „Lehrer-Perspektive“ nicht kenne. Allerdings kann man den neuen Lehrern zu Schuljahresanfang oft große Begeisterung und Spaß am Unterricht ansehen.

Frage: Was kann ich mir unter außerschulischen Angeboten vorstellen?

Erstens werden sogenannte Servicegruppen angeboten, in denen man sich in Form von Schülerhilfe oder Seniorenbetreuung in der näheren Umgebung sozial engagieren kann. Zweitens sehr viele AGs. Diese bieten vielfältig die Möglichkeit, Interessen nachzugehen – Naturwissenschafts-, Debattier- und Sprach-AGs werden meist von Lehrern geleitet, Sport-AGs wie Basketball oder Badminton oft von Schülern. Drittens werden außerdem viele Fahrten zu Konzert- und Theateraufführungen in Wiesbaden, Mainz und Frankfurt angeboten.

Frage: Wie sieht ein typischer Tag auf Schloss Hansenberg aus?

Schulbeginn ist um 7:45 Uhr, also stehe ich um 7:00 Uhr auf, mache mich fertig und gehe manchmal in die Mensa zum Frühstück. Bis 12:45 Uhr sind dann drei Doppelstunden um und man hat 75 Minuten Mittagspause, in der man in der Mensa das Mittagessen einnehmen kann. Im Anschluss geht der Unterricht an 3 von 6 Schultagen bis um 17:15 Uhr weiter. Im Anschluss besuche ich unterschiedliche AGs und verbringe Zeit im Internat.

Frage: Du sagtest 6 Schultage?!

Ja, wir haben hier auch samstags vier Stunden Unterricht.

Frage: Darfst du das Internatsgelände eigentlich verlassen?

Ja, natürlich. Wir tragen unsere geplante Aktivität und deren Dauer in ein Buch ein und sollen vorher mit einem unserer Sozialpädagogen Rücksprache halten. Dann können wir problemlos, wie es die gesetzliche Regelung für Jugendliche vorsieht, bis 22 Uhr das Gelände verlassen. Nur samstags dürfen die über 16 Jährigen bis 24 Uhr weg bleiben.

Frage: Wie gestaltet sich das Zusammenleben zwischen den Internatsschülern? Ihr habt sicherlich alle Einzelzimmer und freundliche Damen, die für euch die Wäsche machen und eure Zimmer putzen und aufräumen?

*lacht* – nein, keine der Vermutungen trifft zu! Wir wohnen zu acht in einer Wohngemeinschaft, leben zu zweit in einem Zimmer und sind für jegliche Aufgaben im Haushalt selbst verantwortlich. Somit gestaltet sich das Zusammenleben besonders intensiv und es müssen viele Kompromisse eingegangen werden.

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