Deutsch-polnische Schülerbegegnung anlässlich des 50. Sachsenhausen Gedenklaufs

Vier Tage voller Kultur, Sport und Spaß erwartete eine Vogelsberger Schülergruppe des Alexander-von-Humboldt Schule Lauterbach in Brandenburg. In dem beschaulichen Ort Neuendorf fand Ende April eine kulturelle Begegnung der besonderen Art statt. Die zehn Vogelsberger Jugendlichen trafen dort mit ihrem Lehrer Oliver Stoy und dem ehrenamtlichen Betreuer Mike Janiszewski auf zwei polnische Jugendgruppen, die aus den Gemeinden Biala-Podlaska und Siedlce stammten. Der Landkreis Oberhavel war als Gastgeber neben der Gestaltung der Jugendbegegnung durch ein vielfältiges Programm auch für das Gelingen des Sachsenhausen Gedenklaufs verantwortlich, der dieses Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feierte und im Zentrum des Zusammentreffens stand.

In Neuendorf angekommen, ging es direkt los mit der Sprachanimation. Die Dresdner Dolmetscherin Emilia vermittelte den Schülern bei verschiedenen Kennenlernspielen und Teamaufgaben erste Sprachkenntnisse. Eine Aufgabe beispielsweise war es, in Kleingruppen ein Konzept zu entwickeln, das es ermöglicht, ein Ei unversehrt aus drei Metern Höhe fallen zu lassen. Als Hilfsmittel waren Luftballons, Zeitungspapier und Gummibänder erlaubt. Die Schüler verständigten sich mit Händen und Füßen oder fragten den zweisprachig aufgewachsenen Mike nach den passenden Begriffen. So wurde bei den lustigen Aufgaben schnell die ein oder andere Bekanntschaft geschlossen.

Nachmittags besichtigte die Gruppe das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen. Während der Führungen durch die Baracken, Gefängniszellen und über den Appellplatz wurden geschichtliche Hintergründe erläutert und Fragen geklärt. Dadurch erlangten die Besucher ein verstärktes Bewusstsein über die Schattenseiten deutscher Vergangenheit und die grausamen Auswirkungen von Faschismus und Rassenhass.

Am folgenden Tag konnten die Schüler während einer dreistündigen „Berlin on Bike“ Tour bei strahlendem Sonnenschein die berühmten Sehenswürdigkeiten sowie interessante Straßen und Plätze Berlins vom Fahrrad aus bestaunen.

Erschöpft von einem ereignisreichen Tag, freute sich die Gruppe nach dem Besuch eines Designer Outlets auf ein gemütliches Ausklingen des Abends in Neuendorf. Doch leider ergab sich ein kleines Problem. Der Bus sprang nicht an. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen hatte Busfahrer Thorsten die rettende Idee: Anschieben. So kam es, dass kurzerhand in der ohnehin schon überfüllten und chaotischen Verkehrssituation rund um das Outlet die Autos hinter der Bushaltestelle zum Anhalten gebracht werden mussten. Dadurch konnte die gesamte männliche Besatzung auf Thorstens Kommando den Bus mit vereinten Kräften unter Jubeln der beistehenden Schüler und Betreuer ins Rollen bringen, sodass dieser schließlich gestartet werden konnte und einer Weiterfahrt von nun an nichts mehr im Wege stand.

Am ersten Mai war der Wettkampftag und eigentliche Anlass der Begegnung. Der Sachsenhausen Gedenklauf wurde 1964 mit 31 Teilnehmern das erste Mal ins Leben gerufen. Dessen Umsetzung entstand aus der Idee, der Opfer des Konzentrationslagers Sachsenhausen zu gedenken und dadurch ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Aufgrund des 50. Jubiläums waren neben den über 700 Sportlern, den zahlreichen Zuschauern und engagierten Helfern auch der Ministerrat und Landrat Brandenburgs anwesend.

Anschließend an die Eröffnungsrede wurden, begleitet von einem Cello Ensemble, weiße Tauben als Zeichen des Friedens frei gelassen.

Auch an der Zusammensetzung der insgesamt 29 Staffeln ließ sich die eigentliche Intention des Laufs erkennen. Die polnischen Teilnehmer und eine Flüchtlingsstaffel mit Läufern aus Eritrea, Ägypten und Afghanistan symbolisierten Weltoffenheit und Völkerfreundschaft.

Dank Teamgeist und Anfeuerungskünsten konnte sich die gemischte Staffel aus polnischen und deutschen Schülern den ersten Platz sichern. Anschließend fand der 7,5 beziehungsweise 15 Kilometer Rundkurs statt, der durch die Stadt Oranienburg und entlang des ehemaligen Konzentrationslagers führte. Organisator Marco blickte zufrieden auf die Veranstaltung zurück, die sowohl für die Teilnehmer als auch für die Veranstalter ein voller Erfolg war und den Wunsch nach Toleranz, Solidarität und Menschlichkeit verkörperte.

Nach der Siegerehrung durfte die Gruppe der feierlichen Kranzniederlegung und der Eröffnung der Sonderausstellung, bestehend aus zehn Tafeln, die mittels Fotografien, alten Plänen und Urkunden die Entwicklung des Gedenklaufs dokumentierten, beiwohnen.

Nachmittags wieder in Neuendorf angekommen, ließen die Jugendlichen und Erwachsenen den Tag bei gegrillten Köstlichkeiten sowie Kaffee und Kuchen ausklingen.

Am Dienstagmorgen fuhren die polnischen und deutschen Schüler wieder nach Hause – im Gepäck eindrückliche Erlebnisse sowie schöne Erinnerungen an gemeinsame Volleyball- und Fußballspiele, erlernte Sprachkenntnisse und neu geschlossene internationale Freundschaften.

Text: Eva Renneke; Foto: privat

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