„Dann bist du gegen Urheberrechte“ – 26 Gymnasiasten beim EU-Planspiel

26.11.13 – LAUTERBACH – „Öffentliche und private Daten von Internetnutzern sollen überwacht werden, aber die Benutzer sind darüber in Kenntnis zu setzen. Kostenpflichtige Onlineangebote werden optimiert und der Daten- und Urheberrechtsschutz bleibt erhalten“ – so formulieren die 26 Schüler der Klasse 9c der Alexander-von-Humboldt-Schule in Lauterbach ihren ersten Vorschlag zu einer Richtlinie zu Urheberrecht und Datenschutz für das Europa-Parlament. Zwar wird dieser Vorschlag der Jugendlichen so nicht in der Realität an die EU weitergeleitet, ganz ohne Hintergedanken ist er jedoch nicht entstanden. Vielmehr stecken ganz schön viel Arbeit, Kopfzerbrechen und eine Menge Diskussionspotential dahinter, denn er entstand im Rahmen des EU-Planspiels am heutigen Dienstag.

Organisiert werden die EU-Planspiele von der Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn. An 32 ausgewählten Schulen in Hessen und Rheinland-Pfalz haben Klassengemeinschaften aller Schulzweige und ab der 9. Klassenstufe die Möglichkeit, in die Rolle eines EU-Vertreters zu schlüpfen. In dieser Funktion bekommen die Jugendlichen die Möglichkeit den europäischen Legislativprozess nachzuspielen und angeregte Diskussionen über Europapolitik zu führen. In Form von vier Themen, die zur Auswahl stehen, exerzieren die Abgeordneten-für-einen-Tag dann einen Richtlinienentwurf vom ersten Gedanken über Pressekonferenz und umfassende Diskussion durch.

Von der Europäischen Kommission beauftragt kamen zwei Spielleiterinnen, Julia Thunecke und Tanja Hausner, von der durchführenden Agentur Valentum Kommunikation, nach Lauterbach. Thunecke und Hausner erklärten Formalia und die einzelnen Schritte im Ablauf eines EU-Planspiel-Tages. Die inhaltliche Vorbereitung hatte bereits zuvor im Politikunterricht mit Klassenlehrer Oliver Stoy stattgefunden. Dabei lernten die Schüler die einzelnen Organe und Strukturen des Europa-Parlaments kennen.

Aus vier Vorschlägen hatten sich die Schüler der Alexander-von-Humboldt-Schule „Urheberrecht und Datenschutz“ ausgesucht. Lehrer Stoy erklärt sich diese Entscheidung über die Nähe zum eigenen Lebensalltag der Jugendlichen. Das ist so auch von den Organisatoren intendiert. „Die Schüler sind ja selbst Konsumenten der modernen Medien“, sagt Stoy . Und dieses Insiderwissen der Neuntklässler zeigte sich dann auch, als es an die Diskussion des Richtlinienentwurfes ging.

Junge Medienprofis argumentieren wie die Großen

Die Kommission, bestehend aus vier Schülern, leitete eine Pressekonferenz, in der der Entwurf vorgestellt wurde. Anschließend mussten sie sich den spitzfindigen Mitschülern stellen – Fragen über Fragen prasselten auf sie ein, bei denen immer wieder durchschien, wie groß Fertigkeit und Wissen der Schüler in Bezug auf das Internet und soziale Netzwerke sind. Auch wurde hier deutlich, dass einige der Jugendlichen sich bereits einiges bei den Medienprofis unter den Politikern abgeschaut zu haben scheinen – sie wissen, wie man ungewünschte Fragen mehr oder weniger gekonnt abwendet.

Auch die beiden Spielleiterinnen zeigten sich beeindruckt. „Die Neuntklässler sind  inhaltlich sehr stark, diskutieren gut und sind ganz in ihren Rollen“, erklärte Thunecke – denn ein bisschen Schauspiel gehört offensichtlich auch dazu. Gerade hier sieht Thunecke eine Stärke der Neuntklässler gegenüber höheren Klassenstufen. Je jünger, desto spielerischer gingen die Schüler mit den Aufgaben um.

Die Realität wird beim EU-Planspiel also möglichst genau abzubilden versucht. Auf die Frage, ob es auch hitzige Diskussionen oder nur Friede, Freude, Eierkuchen gegeben habe, sagte Thunecke, dass es bisher sehr friedlich zugegangen sei. Mit fortschreitender Zeit und Einstieg in das Planspiel rechne sie aber damit, dass es noch etwas kämpferischer werden könne.

Wie für Organisatoren und Klassenlehrer Stoy scheint auch für die Schüler das Planspiel erfolg- und lehrreich gewesen zu sein. „Ich hätte nie gedacht, dass es so lange dauert, bis ein Gesetzesvorschlag zustande kommt“, sagte Klassensprecherin Julia Füg während des Planspiels. Sie habe sich aber sehr gut einarbeiten können und es lediglich schwierig gefunden, sich auf andere zu beziehen und doch dabei seine eigene Meinung zu behalten. Mitschüler Tim Ruppel freute sich vor allem über die Teamfähigkeit der Klassengemeinschaft, die sich beim Planspiel gezeigt habe. Lediglich die Dauer des Spiels fand er problematisch, da es schwierig sei, so lange zu diskutieren. Eine von vielen Lehren, die die Gymnasiasten an diesem Dienstag aus dem EU-Planspiel gezogen haben dürften: von der Idee bis zum verabschiedeten Gesetz und dem, was davon schließlich im realen Leben ankommt, ist es ein weiter Weg. (Sabrina Ilona Teufel)+++ 

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