Presseschau: Lauterbacher Anzeiger: Es geht wieder los…

Schulbetrieb am Lauterbacher Gymnasium nimmt Fahrt auf / Mit Hygiene- und Abstandsregeln findet Präsenzunterricht für alle Klassen an einzelnen Tagen statt.

Von Claudia Kempf

LAUTERBACH. Es ist still auf den Fluren der Lauterbacher Alexander-von-Humboldt-Schule. Es riecht nach Desinfektionsmittel, und die Böden glänzen frischgebohnert. „An die Ruhe mussten wir uns erst gewöhnen. Aber irgendwie tut sie auch gut“, lacht Normen Häfner, Schüler der Q2-Phase, der elften Klasse, des Gymnasiums. Der Lauterbacher ist einer von 150 Schülerinnen und Schülern, die seit Ende April wieder in die Schule gehen und „richtigen“ Unterricht erleben dürfen. Mit Lehrerinnen und Lehrern, die zwar mit Abstand, aber leibhaftig vor ihnen stehen und nicht am Bildschirm via IServ  oder „Microsoft Teams“ mit ihnen kommunizieren. Obgleich die Rückmeldungen zum „Homeschooling“ aus der Schülerschaft insgesamt positiv sind, wie Umfragen seitens der Schulleitung belegen, freuen sich doch die meisten Schüler wieder auf den normalen Schulalltag mit Freunden und richtigen Begegnungen, was ab der kommenden Woche wieder nach und nach möglich sein soll…

Ihren ersten Schritt zurück in die Normalität haben die Schüler der Q2-Phase bereits getan und haben sich an die „neue Normalität“ an ihrer derzeit noch leeren Schule gewöhnt, die sonst rund 1000 Schüler besuchen. Dazu gehören bestimmte Hygiene- und Abstandsregeln, die von Anfang an gut eingehalten worden sind, wie Schulleiterin Gitta Holloch lobt. Nicht mehr als 15 Schüler dürfen sich in einem Klassenraum aufhalten, was in der Umsetzung bedeutet, dass größere Kurse auf zwei Räume aufgeteilt werden, die über eine Zwischentür miteinander verbunden sind. „Unterrichtet werden die zwei Gruppen jeweils von einem Lehrer, die beide in engem Austausch stehen, sodass der Unterrichtsstoff gleichermaßen vermittelt wird“, beschreibt der stellvertretende Schulleiter Joachim Gerking die Praxis, der derzeit selber einen Englischkurs unterrichtet. „Manchmal stehe ich auch in der Zwischentür und betreue mit lauter Stimme beide Gruppen gleichzeitig“, lacht er.

Auch außerhalb der Klassenräume gibt es neue Vorgaben. In Fluren und Treppenhäusern herrscht Abstandspflicht von 1,5 Metern, und das Hintereinander- statt Nebeneinanderlaufen ist angesagt. Im Eingangsbereich der Schule und in den Klassen hängen Desinfektionsspender. In den Toilettenräumen sind die Händetrocknungsgeräte abgeschaltet, stattdessen gibt es Papierhandtuchspender. Öfter als bisher wird geputzt, schon nach der ersten großen Pause erfolgt beispielsweise eine Komplettreinigung der sanitären Anlagen. Geschlossen ist derzeit die Cafeteria, die Pausen finden für die Klassen versetzt in festgelegten Bereichen statt.

„Die erste Nervosität und Unsicherheit hat sich schnell gelegt. Das Abstandwahren und die regelmäßige Handhygiene haben wir schnell verinnerlicht“, berichtet Normen Häfner, der auch die etwas verlängerten Pausenzeiten gut findet, da jeder genügend Zeit finde, sich die Hände zu waschen. Gut angelaufen sei der Unterricht für die Q2ler. „Es ist gelungen, an die Home-Office-Zeit anzuknüpfen“, sagt Häfner – und das bestätigen auch Mitschüler, die von Oberstufen-Studienleiter Karsten Krämer per schriftlicher Umfrage um eine Einschätzung gebeten worden waren.

Bisher stand für die Jahrgangsstufe 11 „nur“ Unterricht in den jeweiligen Leistungskursen sowie in den Grundkursen Deutsch und Mathematik an. „Eine Vorgabe seitens des Kultusministeriums, die uns zunächst überrascht hat, da wir gleich zum Schulstart der Q2 mit dem vollen Stundenplan-Pensum gerechnet hatten“, wie Schulleiterin Gitta Holloch erklärt. Doch das sei wegen der befürchteten zu großen Durchmischung der Schülergruppen nicht vorgesehen gewesen. Ab dem kommenden Montag werde der Stundenplan für die Q2 um die Fächer Englisch, Politik und Wirtschaft sowie die Naturwissenschaften erweitert.

„Außerdem werden ab Montag, 18. Mai, alle Klassen der Sekundarstufe I und der E-Phase mit dem Präsenzunterricht beginnen“, kündigt Gitta Holloch an. Am Montag starteten die Klassen neun und zehn mit ihrem Unterricht, am Dienstag würden die Stufen sieben und acht unterrichtet, die fünften und sechsten Klassen dann am Mittwoch. „Der Plan ist, dass alle Klassen bis zu den Sommerferien mindestens acht Präsenzschultage haben. Wie wir dies in der Folgezeit umsetzen, steht noch nicht genau fest, da wir ab der kommenden Woche auch mit den ersten Abiturprüfungen starten. Wir haben zunächst die erste Woche geplant. Möglicherweise rotieren wir mit dem Unterricht für die Jahrgangsstufen durch die Wochen bis zu den Sommerferien „, kündigt die Schulleiterin an.

50 mündliche „Abitur-Ersatzprüfungen“ im Fach Sport stehen ab kommendem Montag auf der weiteren To-do-Liste im Gymnasium, wie Karsten Krämer ankündigt. Die nötig seien, da – bis auf Leichtathletik – praktische Sportprüfungen wegen der Abstandsregeln in Coronazeiten nicht möglich sind. Geprüft würde parallel zum normalen Unterricht von morgens 8.30 bis abends 17.50 Uhr. Weiter gehe es dann am 25. und 26. Mai mit den so genannten Präsentationsprüfungen, für die sich Schüler anstelle einer mündlichen Abiturprüfung entscheiden konnten. „Hier stehen zehn Prüfungen an“, weiß Krämer. Ab dem 27. Mai bis Mitte Juni folgten dann die weiteren mündlichen Abiturprüfungen.

„Wir haben jede Menge Verwaltungsarbeit zu erledigen und arbeiten derzeit auch die Wochenenden durch. Es hängt im Moment viel an der Schulleitung“, bestätigt Gitta Holloch die derzeit sehr hohe Arbeitsbelastung. Sehr bedauerlich für den diesjährigen Abi-Jahrgang findet sie die Beeinträchtigungen durch Corona. „Es wird keinen Abischerz geben, keine gewohnte Entlassungsfeier und keinen Ball. Wir überlegen noch, wie wir die Abiturzeugnisse überreichen. Im großen Stil in der Aula dürfen wir es nicht, vielleicht erfolgt die Überreichung für jede Tutorengruppe einzeln.“

Doch trotz der Einschränkungen seien die Abiturienten froh, dass sie ihre Prüfungen überhaupt planmäßig ablegen können, was nicht in allen Bundesländern möglich sei. „Für die 110 Abi-Prüflinge ist jetzt die Kursphase beendet. Sie hatten in den zurückliegenden Wochen die Möglichkeit, in Kleingruppen zu lernen – online oder auch persönlich in der Schule“, informiert Karsten Krämer.

Insgesamt stolz sei man sowohl auf die Schüler aller Jahrgangsstufen als auch die Lehrer, die angesichts der Coronakrise von jetzt auf gleich mit Homeschooling und Internettechnik zurechtkommen mussten. „Das hat größtenteils gut geklappt. Weil wir auch schon vor Corona auf die Digitalisierung via IServ  großen Wert gelegt haben“, resümiert AvH-Lehrer Maximilian Sauer, der an der Schule für die IT-Prozesse zuständig ist. Natürlich habe es auch Probleme gegeben. „Aber meist lag es dann an der fehlenden Internetverbindung in bestimmten Orten des Vogelsberges oder aber an Schwierigkeiten mit der Technik, so wie am vergangenen Wochenende, als es ein Serverproblem gab“, resümiert die Schulleiterin. Schülern, bei denen es an technischer Ausstattung fürs Homeschooling gefehlt habe, seien leihweise Geräte zur Verfügung gestellt worden. Hier und da habe es auch Schwierigkeiten mit Schülern im Arbeitsverhalten gegeben, aber das bleibe auch im normalen Unterricht nicht aus.

Insgesamt positiv fällt deshalb die Bilanz für die zurückliegenden Wochen digitalen Lehrens und Lernens aus. „Wir haben Kollegen digital geschult. Lehrer und Schüler haben sich auf die neue Situation eingelassen und auch viel dazugelernt“, ist Maximilian Sauer überzeugt. Und Karsten Krämer ergänzt, dass dank des „Office-Pakets 365“, das jedem Schüler zur Verfügung stehe, verschiedene Kanäle nutzbar seien. Neben IServ, das an der Schule bereits seit 2014 ein bewährtes Portal sei, habe sich auch das Arbeiten mit „Microsoft Teams“ etabliert. „Die Lizenzen hatten wir schon länger, aber durchgesetzt hat sich das Arbeiten damit erst jetzt so richtig“, resümiert Sauer und belegt das mit Zahlen: „100 geplante Besprechungen haben wir etwa pro Tag – und sicher weit über 1000 Kommunikationen.“

Dass sich trotz funktionierenden Homeschoolings die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler dennoch auf einen normalen Unterricht freut, ist auch der Schulleitung bewusst. „Schule ist eine soziale Angelegenheit. Aber wir hatten eine Notsituation und haben versucht, das Beste daraus zu machen“, betont Karsten Krämer.

Das Beste aus der Situation gemacht, hat auch AvH-Hausmeister Dieter Stanzel, der neben Arbeiten am Außengelände auch im Gebäude viel geleistet hat. Überall weisen von ihm angebrachte Schilder auf die neuen Abstands- und Hygieneregeln hin, mit dem Zollstock hat er in den Klassen die Abstände der Tische akribisch ausgemessen und platziert. Fest im Blick behält er tagtäglich die Reinigungsarbeiten im Haus und sorgt auch dafür, dass Papierhandtücher und Desinfektionsmittel in den Spendern nicht zur Neige gehen. „Noch ist alles ruhig“, sagt Stanzel, „aber nächste Woche wird sich das schlagartig ändern.“

Quelle: Lauterbacher Anzeiger, Freitag, 15. Mai 2020

Schülerinnen und Schüler der Q2-Phase haben sich an den Unterricht – auf Abstand – bereits gewöhnt. Bisher hatten die insgesamt 150 Schüler das AvH-Gebäude für sich. Das ändert sich ab Montag. (Foto: Claudia Kempf)

Q2-Schüler Normen Häfner am Desinfektionsspender. (Foto: Claudia Kempf)

AvH-Schüler der Klasse 7b – Julius Becker, Evan Emordi, Robin Fäth und Alexandra Ewert – mit ihrem Lehrer Karsten Krämer bei einer „Microsoft-Team-Sitzung. (Foto: Karsten Krämer)

Auf den Fluren des Schulgebäudes weisen überall Schilder auf die Abstandsregeln hin. (Foto: Claudia Kempf)

Eine ganze Seite widmet der Lauterbacher Anzeiger dem Schulneustart in der Corona-Krise.

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