Achtklässler zu Gast bei Osthessen|News

Das Bild zeigt die Gruppe in den Arbeitsräumen.

Die Klasse 8b besuchte gemeinsam mit ihren Lehrpersonen Donald Stitz und Christina Lander die Redaktion. Da sich die Klasse im Deutschunterricht aktuell mit Online-Medien beschäftigt, nutzte sie die Gelegenheit, ihre zuvor erarbeiteten Fragen in einem Interview mit Christian Stadtfeld direkt an einen erfahrenen Journalisten zu richten.

Zwischen dem Prämienmarkt in Lauterbach, dem CDU-Parteitag in Rotenburg an der Fulda und den Vorbereitungen für den Hessentag wirkt der Kalender von OSTHESSEN|NEWS eigentlich schon ziemlich voll. Trotzdem nahm sich Christian P. Stadtfeld, Chefredakteur und Geschäftsführer von O|N, Zeit für die 8b Im Mittelpunkt des rund einstündigen Gesprächs stand zunächst die Frage, was OSTHESSEN|NEWS eigentlich ausmacht. Die Antwort von Stadtfeld kam schnell und sorgte zugleich für ein Schmunzeln: "Wir berichten darüber, was vor Nachbars Haustür passiert." Für Online-Medien seien vor allem zwei Dinge entscheidend: Aktualität und Geschwindigkeit. Nachrichten müssten möglichst schnell veröffentlicht werden – "am besten eine Minute früher als alle anderen", scherzte er. Doch wie lässt sich Schnelligkeit mit Glaubwürdigkeit vereinbaren? Auch darauf hatte Stadtfeld eine klare Antwort. Informationen würden mehrfach überprüft und direkt bei den Beteiligten eingeholt, etwa bei Politikern, der Polizei oder der Feuerwehr. Über die Jahre habe sich O|N dafür ein breites Netzwerk aufgebaut. Geschwindigkeit sei wichtig, Vertrauen aber noch wichtiger. 

Natürlich interessierte die Klasse auch, welche Themen die meisten Leserinnen und Leser anziehen. Besonders häufig würden Polizeimeldungen, außergewöhnliche Ereignisse oder große Einsätze geklickt. Die höchsten Zugriffszahlen erreichten jedoch regelmäßig Live-Ticker zu Unwettern, Schneechaos oder Verkehrsausfällen. An solchen Tagen könne die Zahl der Besucherinnen und Besucher auf bis zu eine halbe Million pro Tag steigen. Wie überraschend der Redaktionsalltag manchmal sein kann, zeigte Stadtfeld mit einer kuriosen Geschichte. Eines Tages ging ein Anruf ein: In der Fuldaer Innenstadt laufe ein Affe herum. Zunächst klang die Meldung wenig glaubwürdig. Nachdem jedoch weitere Anrufe eingingen, recherchierte die Redaktion nach und stellte fest: Tatsächlich war ein Affe aus Werbezwecken für einen Zirkus unterwegs und sorgte in der Innenstadt für Aufsehen. 

Im zweiten Teil des Gesprächs ging es um den Beruf des Journalisten. Auf die Frage, ob er diesen Weg erneut einschlagen würde, antwortete Stadtfeld ohne Zögern: "Jederzeit!" Besonders schätze er die Abwechslung seines Berufs. Kein Tag gleiche dem anderen. Mal gehe es um Politik, mal um Kultur oder aktuelle Blaulicht-Themen. Zu den spannendsten Momenten zählten für ihn Termine, die normalerweise nur wenigen Menschen zugänglich sind. So berichtete er von Besuchen im Deutschen Bundestag in Berlin und im Hessischen Landtag in Wiesbaden, wo er bereits mehrfach Ministerpräsident Boris Rhein interviewte. Auch Begegnungen mit bekannten Persönlichkeiten gehören zu seinem Beruf. Beim Hessenfest in Berlin traf er die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel. Als beeindruckendstes Interview seiner Laufbahn bezeichnete er jedoch das Gespräch mit dem Dalai Lama. Damit machte er deutlich, dass Lokaljournalismus durchaus weit über die Grenzen Osthessens hinausreichen kann. 

Als das Gespräch auf TikTok und andere soziale Netzwerke kam, wurde Stadtfeld deutlich. Seine Empfehlung an die Schülerinnen und Schüler lautete, Informationen nicht ungeprüft zu glauben, nur weil sie schnell verbreitet oder häufig geteilt werden. Gleichzeitig seien soziale Medien längst ein wichtiger Bestandteil moderner Nachrichtenarbeit. Auch OSTHESSEN|NEWS nutzt Plattformen wie Instagram intensiv und plant weitere Angebote für die Zukunft. Zum Abschluss führte die Redaktion die Klasse durch ihre Arbeitsräume. Im Film- und Fernseh-Studio erklärte Victor Brühl, stellvertretender Studioleiter, ein aktuelles Projekt zur Digitalisierung alter Datenträger. Historische Aufnahmen, darunter auch Bilder und Videos zur Grenzöffnung, würden gesichert, damit sie nicht verloren gingen. Durch die Archivierung entstehe ein wertvoller Erinnerungsschatz für die gesamte Region. Als die Schülerinnen und Schüler die Redaktion wieder verließen, hatten sie nicht nur einen Einblick in den Arbeitsalltag von OSTHESSEN|NEWS gewonnen. Sie hatten auch erfahren, dass guter Online-Journalismus weit mehr bedeutet als schnelle Schlagzeilen: Hinter jeder Nachricht stehen Recherche, Verantwortung und das Ziel, verlässliche Informationen für die Menschen vor Ort bereitzustellen. 

Text und Bilder: Christina Lander