Prof. Dr. Bernd Smarsly, Professor für funktionelle Nanomaterialien an der Justus-Liebig-Universität Gießen, gab den Lernenden der Oberstufe in seinem etwa neunzigminütigen Vortrag spannende Einblicke in die vielfältigen Berufsmöglichkeiten innerhalb der Chemie und betonte deren zentrale Rolle bei der Bewältigung globaler Herausforderungen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Bedeutung für die Energiewende lag. Prof. Dr. Smarsly erläuterte anschaulich, wie innovative kohlenstoffbasierte Materialien zur Entwicklung effizienterer Energiespeicher beitragen können und zeigte Methoden zur Erforschung nachhaltiger Alternativen zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus auf.
Zu Beginn des Vortrags beschrieb Prof. Dr. Smarsly seinen beruflichen Werdegang, der ihn vom Abitur an einem ländlichen Gymnasium im Schwalm-Eder-Kreis zunächst an die Philipps-Universität Marburg und von dort über Stationen in Albuquerque (New Mexico) und Potsdam wieder zurück nach Hessen führte. „Manche würden mich als Nerd bezeichnen – mir doch egal.“ Mit diesen Worten endete Prof. Dr. Smarsly den Abriss seines Lebenslaufs und erntete dafür großen Applaus. Er ermutigte damit die naturwissenschaftlich interessierten Schülerinnen und Schüler, ihre Begeisterung weiterzuverfolgen und hob die breite Palette an Karrierewegen hervor, die ein Chemiestudium eröffnet.
„Ist das Elektroauto eine umweltfreundliche Alternative zum Verbrenner?“ wollte ein Schüler wissen. „Nein, nur laufen oder Fahrrad fahren ist eine umweltfreundliche Methode sich fortzubewegen, das Elektroauto ist nur umweltfreundlicher“, antwortete Prof. Smarsly mit der Betonung der letzten Silbe augenzwinkernd und nutzte die Frage als Anknüpfungspunkt für die Herausstellung der Bedeutsamkeit des Wirkungsgrades bei Prozessen der Energieumwandlung. „Das Verbrennerfahrzeug ist eine Heizung auf Rädern“, führte Prof. Smarsly seine Aussage aus und verdeutlichte in unterhaltsamer Weise den Energieerhaltungssatz. „Wie lange kann ein LED-Bildschirm in Betrieb sein, um den gleichen Energiebetrag zu benötigen wie für eine Stunde lang ein Waffeleisen zu heizen?“ Mit dieser und ähnlichen Fragen sensibilisierte Prof. Dr. Smarsly die Lernenden für das Thema Energiebedarf und regte Denkprozesse an, über das eigene Konsumverhalten zu reflektieren. Im Anschluss band er die Oberstufenschülerinnen und -schüler immer wieder aktiv ein und zeigte anhand einfacher chemischer Gleichungen auf, inwiefern durch elektrokatalytische Alternativen zu herkömmlichen Prozessen sowohl Energie als auch CO2-Emmissionen eingespart werden könnten. Damit leitete Prof. Dr. Smarsly zu einem weiteren Forschungsschwerpunkt seiner Arbeitsgruppe über und forderte mit der Frage: „In welcher Form lässt sich Kohlenstoff als Speichermedium für Treibhaus- und Abgase nutzen?“ zur Ideenfindung auf.
Nachdem die Schülerinnen und Schüler bereits während des Vortrags großes Interesse an den vorgestellten Themen zeigten, nutzten die (zukünftigen) Leistungskursschülerinnen und -schüler sowie weitere interessierte Lernende die Gelegenheit, im Anschluss in kleiner Runde individuelle Fragen zu stellen. Diese betrafen nicht nur das Thema Energiewende. „Wie wird man Wissenschaftler und was kennzeichnet das Berufsfeld eines Professors?“, wollten zwei Schülerinnen wissen. Prof. Dr. Smarsly beantwortete diese und alle übrigen Fragen mit großer Motivation und ging auf die spezifischen Anliegen der Jugendlichen ein. Diese persönliche Interaktion vertiefte das Verständnis und weckte oder bestärkte bei einigen möglicherweise das Interesse an einem Chemiestudium.
Die von Chemielehrerin Silvia Diehl organisierte Veranstaltung verdeutlichte das Potenzial einer engeren Zusammenarbeit zwischen der Alexander-von-Humboldt-Schule und den naturwissenschaftlichen Fachbereichen der Justus-Liebig-Universität Gießen. Solche Kooperationen fördern den Austausch zwischen schulischer Bildung und universitärer Forschung und bieten den Schülerinnen und Schülern wertvolle Einblicke in akademische und berufliche Perspektiven.
Ein herzlicher Dank gilt Prof. Dr. Smarsly für seinen inspirierenden Vortrag und seine Offenheit im Dialog mit den Schülerinnen und Schülern während dieses bereichernden Besuchs.