Generation Corona

Aline Scholz hat in der Schreib-AG an der Alexander-von-Humboldt-Schule, geleitet von Traudi Schlitt, eine Glosse über den Alltag einer Schülerin in Zeiten von Corona verfasst.

„Eigentlich sollte man ja meinen, dass wir Schüler*innen im Lockdown vor Langeweile gestorben wären, da wir nur zu Hause rumhockten. Jedoch ist es fast das Gegenteil. Wir mussten trotz Online-Unterricht früh aufstehen, konnten nicht ausschlafen und mussten wie gebügelt und geschniegelt pünktlich um 7:55 Uhr vor dem Laptop sitzen. Und das nur, weil unsere Schule gelernt hat! Letzten Frühling, beim ersten Lockdown, war es noch total anders: Man konnte ausschlafen, hat nur ein paar Schulaufgaben bekommen, die man irgendwann einmal abgeben musste und genauso irgendwann mal zurückbekommen hat. Und dann, aus dem Nichts: Online-Unterricht nach Stundenplan! Dabei hatte man auch so schon genug zu tun: Netflix gucken zum Beispiel. Da ja durch die Pandemie auch keine neuen Filme oder Serien gedreht werden konnten, habe ich Netflix rauf und runter geguckt. Immer das Gleiche. Ich denke, dass ich dadurch einige Filme und Serien fast mitspielen kann. Die sollten mich für Rollen buchen! Und meine Freundinnen gleich mit, denen geht es nämlich genauso wie mir. Hört sich nach Spaß an, oder?

Apropos Spaß- oder auch kein Spaß: Man muss in der Pandemie generell viele Dinge machen, die man vor einem Jahr nicht gemacht hat. Wer hätte gedacht, dass ich jeden Freitag zusammen mit meinem Papa für meine Uroma einkaufen muss? Ich auf jeden Fall nicht! Es gibt so viel, woran man sich noch oder wieder gewöhnen muss, denn sechs Monate im Schlafanzug vor dem Laptop gehen nicht spurlos an einem vorbei: Von dem einen auf den anderen Tag mussten wir Schüler*innen dann doch wieder in die Schule! Jedoch nur im Wechselunterricht, eine Hälfte der Klasse durfte also immer noch 6 Stunden vor dem Bildschirm hocken, während die andere Hälfte sich durch den quasi wieder normalen Schulalltag schlagen musste. Und kaum hatte man sich an diesen Wechselunterricht, das Zuschalten der anderen Mitschüler*innen und die vielen Tests gewöhnt, hieß es, dass wir alle wieder gemeinsam in die Schule sollen! Oh Mann! An die vollen Schulgänge und die volle Klasse muss ich mich definitiv noch gewöhnen. Ständiges Drängeln gehört natürlich auch dazu: Zum einem von den vielen Schüler*innen im Gang und zum anderem von den Lehrer*innen, die jetzt plötzlich alles in eine Klausur schmeißen wollen, was wir über die letzten sechs Monate hin gelernt haben. Abstand kennen die Lehrer*innen anscheinend nicht! Zumindest nicht in dieser Hinsicht: Ob in den Hauptfächern oder den Nebenfächern- jede*r drängelt mit diesen Klausuren.

Und wir Schülerinnen und Schüler? Sobald man nach Hause kommt, muss man sich hinsetzen und pauken oder Hausaufgaben machen. Nach einer Weile gewöhnt man sich sogar daran – es ist fast wieder so, wie es vor der Pandemie mal war. Aber wer weiß, was nach den Ferien passiert: Das kann sich ja alles über Nacht ändern. Schon wenn ich daran denke, bekomme ich Kopfschmerzen!

Das ist aber nicht das Einzige, was mir Kopfschmerzen bereitet. Die Verschwörungstheorien um die Covid-Impfung tun dies nämlich auch: Denken die ernsthaft, dass die Regierung uns chippen möchte? Ich finde, dass jede*r selbst entscheiden kann, ob man sich letztendlich impft oder nicht, aber diese Theorien sind wirklich schlimm, vor allem, wenn man sie auch von den Mitschüler*innen hört und nicht nur online liest. Wer hätte das gedacht? Das geht zwar in das eine Ohr rein und in das andere wieder raus, so stark hat man sich schon an diese blöden Theorien gewöhnt, aber es ist ganz schön schrecklich, oder? Natürlich würde ich mich gerne impfen lassen, jedoch dauert es wahrscheinlich noch Jahre, bis ich als 14-jährige einen Termin bekomme. Und wenn wir Ungeimpften aus der Generation Corona dann wieder und wieder und wieder im Lockdown sind, dann werde ich wahrscheinlich wirklich vor Langeweile sterben!

Bis dahin, bleibt neugierig,

eure Aline.“

Text: Aline Scholz; Foto: privat; Beitragsbild: Joachim Gerking

Aline Scholz hat in unserer Schreib-AG unter Leitung von Traudi Schlitt eine Glosse über den Alltag einer Schülerin in Zeiten von Corona verfasst.

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