Der Nobelpreisträger Professor Dr. Peter Grünberg

 

„Das Schlimmste sei gewesen, dass sie es niemandem sagen konnte.“


LAUTERBACH (ac.): Ein erlebnisreicher Tag ereignete sich am Montag in Lauterbach: Der Nobelpreisträger Peter Grünberg kam in seine Heimatstadt und besuchte seine Schule.
Gegen halb zehn Uhr traf der Nobelpreisträger Professor Dr. Peter Grünberg am Alexander von Humboldt Gymnasium ein, wo er bereits von rund 900 gespannten Schülern, sowie seinen alten Klassenkameraden und Freunden erwartet wurde.
Bis zum Interview musste sich jedoch Geduld zeigen, da der Andrang auf ihn so groß war, dass sich der Zeitplan etwas verzögerte.
Nach der Begrüßung, in der Schulleiterin Gitta Holloch betonte, welch „besonderer Tag mit einem außergewöhnlichen Gast“ sich ereignete, fingen die vier Moderatoren, Stefanie Czischek, Caroline Waldeck, Anna Reith und Lukas Backert auch schon an mit den bereits gesammelten Fragen der Schüler den prominenten Gast zu befragen.
Dieser bekannte sich als Lehrerschreck uns stand zu seiner Zwei in Physik. Außerdem erwähnte er, dass er sich nicht mit Albert Einstein vergleichen kann.
An Physik habe er damals gar nicht gedacht, er wollte Förster in den Alpen werden.
Außerdem sollte man bei Problemen mit einer Nichtfindung der Lösung rechnen, „man soll gefasst sein auch irgendwann aufgeben zu müssen“.
Außerdem habe ihm der Nobelpreis die Erfahrung gegeben, dass man jenen nicht nur für akademische Taten verliehen bekommt, sondern auch für das Entdecken einer Anwendung, die dem Wohle der Menschen dient. Er bezeichnet es alles gutes Gefühl, wenn man irgendwo einen PC hochfährt und all seine Daten darauf ablegen kann.
„Der Nobelpreis ist in gewissem Sinne eine Erleichterung für mich“, betonte er beifügend.
„Toll!“, war die Antwort auf die Frage welche Gefühle er in diesem Moment in seiner alten Schule hatte, welche zu seiner Zeit maximal 400 Schüler besuchten.
Als Hobbys nannte er seine ehemalige Katze, seine Freunde und das Ballspiel („As Older the man than smaller the ball“).
Zusätzlich erwähnte er, stolzer Vater von drei Kindern zu sein, von diesen die jüngste Tochter mit dem Mathematikstudium fast fertig sei, welche in gewissem Sinne doch das Talent dafür vererbt bekommen habe.
Als Ratschlag konnte er uns geben, dass es viele wichtige Themen gebe, wobei das Energieproblem „eine allgemeine Herausforderung“ sei.
Abschließend wünschte er allen Schülern viel Glück, man solle ehrlich zu sich sein und sich keine Vorwürfe machen, sondern an seinen Schwächen arbeiten.
Nach einem Dank seinerseits wanderten die Schüler wieder an ihren Schulort und gingen wieder in der Klasse. Die Schüler der Stufen 12 und 13,sowie etwa 80 Gäste, darunter seine ehemaligen Klassenkameraden, waren nun zu einem Vortrag Grünbergs um halb elf in der Aula geladen .
In der Begrüßung verdeutlichte Gitta Holloch, dass das Forschungszentrum in Jülich, welches Peter Grünberg besucht, zu den Besten der Welt gehört, genauso wie Peter Grünberg.
Mathematik und Physik würde von den Schülern ebenso geliebt wie gehasst werden, aber man habe ja die Möglichkeit, einen A4 Spickzettel anzufertigen, der auf die Größe einer Scheckkarte heruntergefaltet wird.
Der Leiter des Aufgabenfeldes III, Gert Henkel, betonte in seiner Begrüßung, dass er bereits eine Reihe Vorträge über erfolgreiche Lebensgänge gehört habe, Grünberg sei jedoch der Herausragendste. Den Effekt habe er 1988 entdeckt, dass kleine magnetisierte Teile auf einer Scheibe der Festplatte eine hohe Speicherkapazität gewähren, 2007 bekam er dafür den Nobelpreis überreicht.
Anschließend trat Grünberg nach vorne, bedankte sich für den Empfang, und demonstrierte unter Unterstützung seiner Frau den Effekt anhand einer Präsentation und eines Versuches.
Gegen halb eins versammelten wir uns zu einer Pressebesprechung in der kleinen Runde, in der wir zahlreiche Themen durchsprachen, unter anderem auch seine Bezahlung. Den Profit machen die Konzerne in zweistelliger Millionenhöhe, „man könne ja nie genug kriegen“. Er bekam eine Lizenz, bei welcher das Geld über eine pauschale Lizenzierung an das FZ Jülich ging, er erhalte jedoch eine Vergütung über etliche Prozent davon.
Der Erfolg war auf einen großen Anteil des Teams zurückzuführen, wobei der eigentliche Kern aus fünf bis sechs Beteiligten bestand, welchem, ein besonderer Dank gelte.
Er war schon mehrmals für den Nobelpreis im Gespräch, da dies ja ein völlig neuer Effekt gewesen sei, außerdem erhielt er davor schon Preise, die sich häuften, was nur noch auf den Nobelpreis zulaufen würde
Den Effekt an sich habe er „nebenbei“ entdeckt, den Zusammenhang mit Fert habe er mehr zufällig entdeckt, aber diese Bestätigung spornte zum weitermachen an.
Jülich habe damals die Arbeit eingereicht, um das Patent zu erlangen, die Veröffentlichung des GMR verzögerte sich jedoch.
Fert´s Arbeit war weniger alltagstauglich, da der Strom senkrecht zu den Schichten verlaufe und der Aufbau gekühlt werden müsse und einen speziellen Sensor benötige, außerdem war Jülich näher an der Anwendungsebene, womit sie auch näher am Ziel waren.
Außerdem erzählte er uns über seine familiäre Situation, seine Mutter war erkrankt und habe es schwer gehabt, bei ihrer Einreise konnte er sich nur nach an die Zugfahrt in den Waggons erinnern, dass die Erwachsenen geweint haben, er aber die Bäume sehr schön fand.
Das Abitur seinerseits wurde als selbstverständlich angesehen, sein Vater arbeitete als Diplom-Ingenieur bei Škoda, weshalb sich seine Mutter dem Vater gegenüber stark verpflichtet gefühlt habe und unbedingt wollte, dass er das Gymnasium besucht, auf welchem ihm die zu liefernden Leistungen kein Problem stellten.
Sein großes Hobby, Sterne und Astronomie, entstanden nach einem Erfolgserlebnis, als sein ehemaliger Lehrer Röderer ihm dies anschaulich erklärte.
Mittlerweile ist er selten in der Region, vor 2002 war er öfters hier in Besuch bei seiner Mutter, bis er sie letztendlich nach Jülich gebracht habe, welche dann vor drei bis vier Jahren im Alter von 99 Jahren Verstorben ist.
Er betonte, dass Lauterbach „eine“ Heimat gewesen sei, er wurde in Pilsen geboren, Lauterbach sei jedoch die wichtigste Station seiner Entwicklung gewesen, wo er unter anderem unter die Pfadfinder ging, sowie den Turnverein besuchte.
Aus seiner Arbeit erzählte er, dass seinem Chef manche Dinge nicht immer gepasst haben, doch dieser sagte immer, „Den Grünberg müsst ihr lassen wie er ist“.
Seine Forschungen beschrieb er folgendermaßen: Zuerst berechnet er qualitativ eine Sache, bei einem Erfolg führte er dann quantitative mathematische Berechnungen.
In Jülich wurde er zum Ehrenprofessor ernannt, und nach seinem Nobelpreis kann er dort machen, was er will, sofern er jemanden für die Finanzierung findet.
Mit denen er schon immer mal zusammenarbeiten wollte, diskutiert er auch sehr gerne Themen, wobei ihm die Auslandsaufenthalte in den Sinn kamen, zu den wichtigsten gehörte Chicago, aber auch Kanada und Japan.
Grünberg gab uns daraufhin den Tipp Auslandsaufenthalte zu nutzen.
Die Nachricht über die Verleihung des Nobelpreises konnte er vorerst gar nicht erhalten, er saß im Flughafen in dichtem Nebel und ohne Empfang fest, quasi von der Außenwelt abgeschnitten, es war sogar ein Artikel mit Bild darüber in der Zeitung.
Als er dann nach Hause kam, hatte sich die ganze Nachbarschaft, Verwandte, Bekannte und unzählige Presseleute um sein Haus versammelt, inmitten seine Tochter. Als er ausstieg wurde er „belagert“, und wusste nicht einmal wieso.
Nach der Aufklärung sagte seine Tochter, dass das Schlimmste an der ganzen Sache gewesen sei, dass sie es einfach niemandem sagen konnte.
Damit beendeten wir diese kleine Runde und versammelten uns gegen halb zwei mit seinen Gästen am Schulhof zu einer Führung durch die Schule.
Im Anschluss daran nach der Verabschiedung von seinen Freunden kamen wir mit den Physik-Schülern um halb drei zusammen, sodass diese noch einmal Fragen an ihn stellen konnten.
Den Riesenmagnetowiderstand habe er zufällig, und gezielt gefunden, da er ja nach einem Kopplungsphänomen gesucht hat. Die 180° Kopplung zu finden benötigte etwa fünf bis zehn Jahre, die auf der RKKY-Wechselwirkung basiert.
Als er darauf gute Proben aus einem Nanolabor in Amerika erhielt, konnte er das Streuverhalten genauer analysieren.
Der Effekt wurde recht schnell umgesetzt, vor allem von IBM, da ja alle etwas zum Auslesen der magnetischen Scheibe suchten.
Die Magnetisierung parallel zur Scheibe war um drei Prozent größer als diese senkrecht, weshalb er einen gewissen Vorsprung hatte.
1989/90 war er mit seiner Erfindung fertig, 1991 wurde schon der erste Sensor entwickelt, und 1996 kam es schon auf den Markt, wobei zukünftig der GMR-Effektsensor weiterhin kleiner gemacht werden kann.
Insgesamt hat es 20 Jahre bis zum Nobelpreis gedauert.
Er glaubt an Gott, jedoch nicht in personifizierter Form, der Wille lenke ja in gewisser Weise, wobei er sich sehr an Lessings Ringparabel festhalte.
Die Wiederstandsänderung in der Doppelschicht des GMR von Parallel und Antiparallel betrage 20 Prozent, weshalb man noch mehr Kapazität gewinnen kann.
Seit vier Jahren gebe es jedoch den TMR, der eine Änderung von 500 Prozent ausmache, je größer der Widerstand, desto größer ist auch die Änderung.
Die CPP-Technologie werde dann die nächste Generation sein, das Problem bestehe nur darin, dass die Signale immer schwächer werden.
Das Schreiben ist einfacher als das Lesen von Informationen.
Die Scheiben werden hergestellt, indem ein Material in Vakuum in einem Ofen erhitzt wird, und sich auf das Substrat niederschlägt, welcher Prozess auf der Molekularstrahlepitaxie beruht. Oder man wendet das Sputterverfahren an, bei dem der Niederschlag mit Hilfe von Steuerspannungen in Richtung Target auf das Material geleitet wird, die MBE ist jedoch umständlich, da ständig ein- und ausgepackt werden muss.
Bei dem antiparallel gepolten GMR war es bewusst, dass es zukunftsorientiert ist, aber nur ein „Jein“, da an das Ausmaß 500 GB nicht gedacht wurde, weshalb er zum Patentamt ging.
Das Siliziumsubstrat oxidiert bläulich, es darf aber nicht zu dünn gewählt werden. Auf ein Substrat passen 20.000 Einheiten, die Struktur könne jedoch immer kleiner gewählt werden. Geschnitten werden diese Einheiten dann mit dem Ionenätzverfahren.
Zu der Frage was es mit dem Urknall auf sich habe, antwortete er, er wisse es nicht, lediglich dass es etwas davor gegeben habe, und die Naturwissenschaftler zu stark extrapolieren.
Damit beendeten wir die Fragerunde; nach einem Gruppenfoto bedankten wir uns recht herzlich und verabschiedeten uns.

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